Neujahrsempfang des BFW Baden-Württemberg

Zahlreiche Vertreter aus Immobilienwirtschaft, Verbänden, Politik und Wirtschaft haben sich anlässlich des Neujahrsempfangs des BFW Baden-Württemberg am 30. Januar in den Räumen der IHK Region Stuttgart getroffen, um gemeinsam die kommenden Herausforderungen für die Branche zu diskutieren. Als Gastredner gewährten Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, und Michael Kleiner, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Einblicke in die wohnungspolitischen Ziele auf Bundes- und Landesebene.

Neben den Landtagsabgeordneten und wohnungspolitischen Sprechern ihrer Fraktionen Susanne Bay (Grüne), Gabriele Reich-Gutjahr (FDP) und Daniel Born (SPD) waren mit Christian Bruch, Bundesgeschäftsführer des BFW, Sigrid Feßler, Direktorin des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und I m m o b ilienunternehmen, und Ottmar Wernicke vom Landesverband Württembergischer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer auch hochrangige Verbandsvertreter unter den knapp 150 Gästen. 

In seiner Begrüßungsrede blickte Dirk Graf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BFW Baden-Württemberg, auf ein bewegtes Jahr 2017 zurück. Von der künftigen Bundesregierung erwarte der Verband die Schaffung von stabilen Rahmenbedingungen, die es den Mitgliedsunternehmen ermöglichen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die dem Bürger nicht ständig höhere Kosten für den Erwerb oder die Anmietung einer Wohnung zumuten.

„Unsere Unternehmen in Baden-Württemberg bekennen sich klar zu einer verantwortlichen Klimapolitik. Aber seit dem Jahr 2000 wurde die Energieeinsparverordnung bereits sechsmal verschärft. Vom Jahr 2000 bis heute sind die Kosten für den technischen Ausbau, der zum großen Teil der Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) geschuldet ist, um 132 Prozent gestiegen. Hier sind Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit bei der Vermarktung an Käufer oder Mieter erreicht“, so Graf weiter. Weitere  Verschärfungen der EnEV lehne der BFW strikt ab. „Umgekehrt suchen die im BFW Baden- Württemberg organisierten Unternehmen auf freiwilliger Basis, ohne weitere gesetzliche Restriktionen, nach wirtschaftlichen Lösungen, die gleichzeitig den Klimaschutz ihrer Gebäude verbessern.“

Um Innovationskraft zu fördern und zu deren Nachahmung zu ermuntern, hatder BFW Baden-Württemberg gemeinsam mit der Klima- und Energieagentur Baden-Württemberg unter Schirmherrschaft des Umweltministeriums den Contracting- Preis Baden-Württemberg im Jahr 2017 erstmals ausgelobt. „Bei der Vergabe des Preises, der auch im Jahr 2018 wieder vergeben wird“, so Graf weiter, „war uns wichtig, keine Leuchtturmprojekte zu präsentieren, sondern realisierte, wirtschaftlich funktionierende und praxistaugliche Projekte zu prämieren. Innovationskraft braucht keine gesetzlichen Restriktionen! Dies gilt auf Bundesebene genauso wie auf Landesebene.“

Was die Mitgliedsunternehmen des BFW jedoch bräuchten, sind Grundstücke. Graf: „Der BFW Baden-Württemberg arbeitet engagiert bei der Wohnraumallianz des Landes Baden-Württemberg mit. Denn wir bekennen uns als Verband zu der Verantwortung, unsere Bürger mit Wohnraum zu versorgen. Die Möglichkeiten der Innenentwicklung zu nutzen, sind für uns dabei selbstverständlich. Allein mit Innenentwicklung werden wir jedoch gerade in den besonders nachgefragten Ballungsgebieten, wie hier im Raum Stuttgart, nicht auskommen.“

Bereits heute müssten die Bauflächen für den Wohnungsbau in fünf oder zehn Jahren entwickelt werden. Die vorhergesagte Nachfrage nach Wohnraum in diesen Regionen und der zeitliche Vorlauf für die Entwicklung von Baugebieten machten es notwendig, bereits heute zu handeln, mahnte Graf an. „Wer weniger Fläche verbrauchen will, muss eine dichtere Bebauung zulassen.“ Nur wenn mehr Wohnraum neu geschaffen wird, könne die Preisentwicklung gedämpft werden. „Restriktionen wie die Mietpreisbremse schaffen aber keinen neuen Wohnraum. Sie schützen nur diejenigen, die bereits Wohnungen haben, aber sie helfen denen nicht, die Wohnungen suchen.“

Auch Kommunen tragen Verantwortung für die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt

Auch die Kommunen tragen aus Sicht des stellvertretenden BFW-Vorsitzenden ihre Verantwortung für die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. „Da baureife Grundstücke knapp sind, schießen die Preise in die Höhe. Und manche Kommune verdient an der Preisentwicklung mit. Aber auch der Wettbewerb um Grundstücke wird immer rauer. Die Klage mehrerer BFW-Unternehmen in Ludwigsburg macht dies deutlich. Die Klagen der Mitgliedsunternehmen über die Vergabepraxis von Grundstücken  kommen aber aus dem gesamten Bundesland. Schon manches unserer Unternehmen hat sich mit großem Engagement und Kosten an Konzeptvergaben beteiligt, vielleicht sogar gewonnen, bei der Grundstücksvergabe aber doch das Nachsehen gehabt. Es bleibt häufig der Eindruck, dass kommunale Grundstücke auch aus wirtschaftlichen Gründen am Ende lieber an die eigene  kommunale Wohnungsbaugesellschaft veräußert werden. Wir als BFW Baden-Württemberg wollen nichts mehr als einen fairen Wettbewerb“, machte Graf deutlich.

„Erhalten wir die gleichen Rahmenbedingungen beim Grundstückserwerb, sind wir in der Lage, auch bezahlbaren Wohnraum im preisgedämpften Segment zu wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen. Ohne die Kapazitäten unserer BFW-Unternehmen kann das Land Baden-Württemberg die nach der Wohnungsbedarfsprognose notwendigen Wohnungen gar nicht schaffen,“ so Graf. 

Das Landeswohnraumförderungsprogramm mit seiner landesweiten Gebietskulisse werde vom BFW derweil in wesentlichen Punkten sehr positiv bewertet. „Die Möglichkeit, Förderung für einzelne Eigentumswohnungen im sozial geförderten Wohnungsbaubereich zu erhalten, haben wir immer begrüßt, da hiermit auch private Investoren die in städtebaulichen Verträgen vorgegebenen Quoten an sozial geförderten Wohnungen überhaupt erfüllen können. Dieses Förderinstrument kann zu einer Wettbewerbsgerechtigkeit beitragen“, betonte Graf und schob optimistisch hinterher: „Unsere Unternehmen haben lange vor dem aktuellen Immobilienboom gebaut, sie haben schon Krisen überstanden und werden auch künftig weiter bauen.“

Unabhängig von der politischen Entwicklung wird das Jahr 2018 für den BFW Baden Württemberg übrigens auf jeden Fall ein besonderes werden: Der Verband hat inzwischen eine neue Geschäftsstelle in der Hospitalstraße 35 in Stuttgart bezogen, in der künftig auch eigene kleine Schulungen angeboten werden. „Mit modern gestalteten und gut ausgestatteten Räumlichkeiten werden wir noch bessere Voraussetzungen für die Vertretung der privaten, mittelständischen Immobilienwirtschaft in Baden-Württemberg haben“, ist Graf überzeugt. 

Fotonachweis: BFW Baden-Württemberg

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