Als Region sind wir stark, nicht als einzelne Städte

Die Region Stuttgart gilt als wichtiger Seismograf für die Stadtwelten von morgen: Wie lebt, arbeitet und wirtschaftet es sich in Zukunft? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 9. Immobiliendialogs, zu dem sich Anfang Juli rund 450 Branchenvertreter im Stuttgarter Rathaus getroffen hatten. Insbesondere die zunehmende Verknappung der Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe prägte die Diskussionen.

„Dies ist auch ein regionales Thema“, sagte Stuttgarts Baubürgermeister Peter Pätzold im Hinblick auf die Herausforderungen, der sich Politik und Immobilienwirtschaft zu stellen haben. „Wir sollten nicht vergessen, dass wir nur als Region stark sind und nicht als einzelne Städte.“ Diese These griff auch Regionalpräsident Thomas Bopp auf: Um die wirtschaftliche Stärke des Ballungsraums zu sichern, müsse in den kommenden Jahren Wohnraum für rund 150.000 Zuwanderer geschaffen werden, die für altershalber frei werdende Arbeitsplätze benötigt würden. „Diese zweitgrößte Stadt der Region Stuttgart ist noch nicht gebaut“, so Bopp weiter, „sie ist so groß wie Ludwigsburg und Waiblingen zusammen.“

Der Regionalpräsident sieht die Internationale Bauausstellung (IBA) als große Chance, um bei der Bevölkerung für mehr Akzeptanz für die Weiterentwicklung der Region zu werben. In diesem Zusammenhang kündigte Bopp an, dass die Regionalversammlung am 11. Oktober entscheiden wolle, welches Gesicht die IBA haben solle. Die zentrale Fragestelle laute: Wie sieht die lebenswerte Regionalstadt der Zukunft aus?

Auch bei der anschließenden Diskussionsrunde mit Axel Fricke (Stabsstelle Strategie Wohnen, Stadt Stuttgart), Christian Sailer (Bereichsleiter Süd LBBW Immobilien Development), Christiane Stoye-Benk (Württembergische Notariatsassessorin), Selcuk Ulu (Vorstand Bülow) und Alexander Veiel (Niederlassungsleiter JLL) waren die Zusammenarbeit zwischen Stuttgart und der Region sowie die Notwendigkeit von mehr Bauland die vorherrschenden Themen. Gefordert wurden unter anderem ein schlankeres Baurecht und höhere Häuser in Stuttgart.

Zuvor hatte Stuttgarts Baubürgermeister Pätzold erneut die Notwendigkeit der Innenverdichtung betont und der Ausweisung neuer Baugebiete zum wiederholten Male eine Abfuhr erteilt. Diese Strategie sei aber nur mit einem leistungsfähigen öffentlichen Personennahverkehr verkraftbar. „Außerdem sind Blickbezüge ins Grüne wichtig, dies macht die Dichte erträglich“, so Pätzold weiter. Angesichts knapper Flächenressourcen solle Gewerbe nicht gegen Wohnen ausgespielt werden. Es hätte Zeiten gegeben, „als das Pendel zugunsten des Wohnens ausschlug“. Auf den frei werdenden Allianz-Grundstücken in der Innenstadt solle beispielsweise beides entstehen.

Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entwicklung Wohnungsbaus in Stadt und Region spielen auch die Pläne für das Areal von IBM in Vaihingen. Die Gerch-Gruppe wolle das Gelände nach einem von der Bundesregierung geplanten neuen Baurecht für urbane Gebiete entwickeln, das Wohnen und Gewerbe ohne größere Schutzmaßnahmen nebeneinander ermöglicht, kündigte deren Geschäftsführer Mathias Düsterdick an. „Das Grundstück sei dafür prädestiniert“, sagte er. „Unser Gebiet und Stuttgart können Vorreiter für dieses Baurecht werden.“

Im Rahmen der Projektentwicklung sollen die vier denkmalgeschützten Pavillons des berühmten Architekten Egon Eiermann erhalten und in die geplante Neubebauung einbezogen werden. Für das 195.000 Quadratmeter umfassende Areal in der Nähe des Autobahnkreuzes Stuttgart läuft momentan ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, an dem sich 15 internationale Architekturbüros beteiligen. Nach einer ersten Präsentation im Herbst sollen bis zum Jahresende die Gewinner feststehen.

Auf dieser Grundlage soll dann im kommenden Jahr der Bebauungsplan aufgestellt werden. Düsterdick, der das Projekt als „Garden Campus Vaihingen“ betitelt, hofft, dass Ende 2017 die Genehmigung für Neubauten in der Größenordnung von 150.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vorliegt. „Das macht deutlich, in welche Richtung wir agieren wollen“, sagte er. Ihm schwebe eine Art Stadttor vor, wie es das Flugfeld in Böblingen/Sindelfingen darstelle. Das Gesamtinvestitionsvolumen liegt laut Düsterdick zwischen 700 und 800 Millionen Euro. Ob die Gerch-Gruppe diese Summe allein stemme oder mit anderen Bauträgern kooperiere, stehe indes noch nicht fest. Der Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sieht das Projekt auf einem guten Weg.

Fotonachweis: iStockphoto, querbeet

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