Baulandentwicklung steht im Mittelpunkt

Immer mehr Menschen drängen in den Ballungsraum RheinMain. Kommunen profitieren von einer wachsenden Bevölkerung. Doch das Angebot an Wohnraum hält damit nicht Schritt, es werden mehr Bauland und mehr Wohnungen benötigt. Dass Kommunen, Wohnungswirtschaft und Politik diese anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam meistern können, ist bei der zweiten Auflage des Fachkongresses „FrankfurtRheinMain baut!“ in Hanau einmal mehr deutlich geworden.

Wie leben wir künftig in Städten? Wo können neue Baugebiete entstehen? Bauen wir höher und dichter? Was kann Wohnen preiswerter machen? Und welche Unterstützung bieten Förderprogramme? Diese und andere Fragen rund um die Themengebiete Wohnungsneubau, Stadtplanung und Genehmigungsprozesse standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung des BFW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, des VdW Südwest und des Regionalverbands FrankfurtRheinMain.

„Nur beschleunigte Genehmigungsverfahren und die Bereitstellung von mehr Grundstücken durch die Kommunen können dem Wohnungsbau mehr Schwung verliehen werden“, betonte Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW-Landesverbands stellvertretend für seine Fachkollegen, die sich in der Einschätzung der aktuellen Lage am Wohnungsmarkt einig waren: FrankfurtRheinMain ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands. Die Investitionen in der Bauwirtschaft sind erheblich. Immer mehr Menschen drängen in den Ballungsraum. Doch das Angebot an Wohnraum wächst nicht schnell genug.

Ludger Stüve, Direktor des Planungsverbands FrankfurtRheinMain, überraschte in diesem Zusammenhang mit der Feststellung, dass seit den 1990er-Jahren  bis einschließlich 2015 in seinem Verband lediglich 9.500 Wohnungen pro Jahr gebaut wurden, die Hälfte davon in Frankfurt. Die Crux sei, dass nach wie vor genügend Bauland vorhanden ist – Stüve sprach von 2.100 Hektar –, diese Flächen aber nicht ausreichend entwickelt werden. „Das können wir uns nicht leisten“, warnte der Verbandsdirektor.

BFW-Landesgeschäftsführer Lipka wies ferner darauf hin, dass ein Planungsprozess bis zum fertigen Bauland in der Regel zehn Jahre dauere. „Das ist entschieden zu lange“. Zwar werde das Projekt „Bauland-Offensive-Hessen“ (wir haben berichtet) voraussichtlich schneller baureife Grundstücke aktivieren, es komme aber wesentlich darauf an, alle Akteure des Wohnungsmarkts fair zu berücksichtigen.

Auf die Möglichkeit des verdichteten Bauens wies  Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor des VdW Südwest, hin. Hier böten sich zahlreiche Chancen an, rasch zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Auch blieben Möglichkeiten ungenutzt, wenn das Sankt-Florians-Prinzip vorherrsche, wonach zwar der Wohnungsbau befürwortet werde, „nur nicht in meiner Umgebung“.

Die langen Planungsprozesse führte der Planungsdezernent der Stadt Frankfurt, Mike Josef, auf viele Restriktionen in der Baulandentwicklung früherer Jahre und auf die damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen ökonomischen sowie sozialen und ökologischen Meinungsverschiedenheiten zurück. Bei Beginn einer Wohnbebauung müsse zuvor über die damit verbundene Infrastruktur entschieden werden. „Wir dürfen uns nicht in fruchtlosen Auseinandersetzungen auszehren, sondern immer im Blick haben, wie der Ballungsraum Rhein-Main von morgen aussehen wird.“

Im Anschluss an die Fachvorträge und Diskussionsrunden unternahmen die Kongressteilnehmer noch eine gemeinsame Bustour, um vor Ort gelungene Beispiele für Konversionsprojekte in Hanau zu besichtigen. Als ehemalige Garnisonsstadt und späterer Standort der US-Armee verfügt die Stadt über langjährige Erfahrung mit der Umnutzung großer Kasernenareale.

Fotonachweis: BFW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

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