„Der bayerische Erfolgszug fährt mit Vollgas durch die Welt“

Im Gespräch mit „Immobilien Wirtschaft Bayern“ äußerte sich Dr. Markus Söder, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, zu seinen Ansichten rund um das Thema Heimat. Als designierter Ministerpräsident soll es zukünftig ein Anliegen bleiben, Bayern zukunftsfähig zu gestalten, ohne den Heimatbegriff außer Acht zu lassen.

Herr Söder, Ihr Aufgabenbereich als Staatsminister widmet sich den Finanzen, der Landesentwicklung und der Heimat. Welche Aufgaben umfasst Ihr Amt als Heimatminister? Welche Ziele sollte ein Heimatminister verfolgen?

Unser oberstes Ziel sind gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern – auf dem Land wie in den Großstädten. Dazu müssen wir den ländlichen Raum stärken und die Großstädte entschleunigen. Hierzu haben wir die Heimatstrategie entwickelt. Sie beinhaltet mehrere Bausteine: Mit der Behördenverlagerung haben wir die größte Regionalisierung von Verwaltung der letzten Jahrzehnte angestoßen. Wir haben ein 1,5 Milliarden schweres, deutschlandweit einzigartiges Breitbandförderprogramm aufgelegt. Unsere Gemeinden vor Ort unterstützen wir durch den Kommunalen Finanzausgleich, der jedes Jahr ein neues Rekordvolumen aufweist – zuletzt über neun Milliarden Euro. Und wir geben den Bürgermeistern vor Ort mehr Entscheidungsspielraum und damit mehr Entwicklungsmöglichkeiten, indem wir das Landesentwicklungsprogramm überarbeitet haben. Jede Region hat ihre Stärken, die wir betonen möchten.

Was werden Sie aus der Funktion des Heimatministers für Ihr künftiges Amt als Ministerpräsident mitnehmen?

In meiner Zeit als Finanz- und Heimatminister bin ich wirklich viel in Bayern herumgekommen, habe sehr viele Menschen getroffen, habe viel diskutiert, viele gute Ideen gehört, aber auch viele Herausforderungen aus erster Hand erfahren. Alle Erfahrungen zusammengefasst: Ganz Bayern ist stark und hat unglaubliches Potential. Jede Region hat große Stärken, aber auch teils spezielle Herausforderungen. Diese Stärken müssen wir fördern und die Herausforderungen zielgerichtet lösen. In den Ballungsräumen beispielsweise ist das Thema Wohnungsbau die wichtigste soziale Frage. Eine junge Familie hat dort große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Es ist für sie nahezu ausgeschlossen, Wohneigentum zu erwerben. Hier müssen wir konsequent gegensteuern. Der bayerische Erfolgszug fährt mit Vollgas durch die Welt, aber einige kommen nicht ganz mit. Wir wollen dafür sorgen, dass wir in der Spur bleiben, aber die Geschwindigkeit so anpassen, dass wieder mehr einsteigen können.

Was ist für Sie Heimat? Was verbinden Sie mit dem Heimatgefühl?

Heimat ist für mich der Ort, an dem ich mich zuhause fühle. Das ist in Deutschland Bayern und in Bayern ist es Nürnberg. Aber Heimat berührt alle Sinne: Das können Geräusche, Gerüche oder Geschmäcker sein – zum Beispiel geht mir bei „Drei im Weggla“ oder einem frischen Schäufele das Herz auf.

Ist Europa für Sie Heimat?

Ich bin überzeugter Europäer. Wir brauchen Europa als eine christlich-abendländisch geprägte Wertegemeinschaft. Nur gemeinsam können wir die globalen Herausforderungen meistern. Es ist daher wichtig, eine vernünftige Vision für Europa zu entwickeln, ohne eine Art „Superstaat Europa“ zu schaffen. Wir müssen uns unsere regionale Identität erhalten, mit unseren Traditionen und Werten. Nur so wird der Charme Europas, als starke Gemeinschaft von selbstbewussten Mitgliedern, erhalten bleiben.

Sehen Sie den Heimatbegriff schwinden oder befindet er sich im Aufwind? Digitalisierung, Mobilität, Zuwanderung – bedroht das die Heimat und seine Menschen?

In Zeiten der Globalisierung, in denen alles schneller, größer und unbeständiger wird, sehen sich die Menschen nach einem Ort der Sicherheit, der Geborgenheit, an dem sie sich auskennen. Heimat ist ein Gefühl, bei dem man weiß, wo man hingehört und wo man immer wieder gerne hin zurückkehrt. Wir Bayern waren schon immer sehr heimatverbunden. Wir pflegen unsere Traditionen mit Stolz, sind aber gleichzeitig aufgeschlossen und weltoffen. „Leben und leben lassen“ ist unser Motto. Digitalisierung und Heimat waren in Bayern nie ein Widerspruch. Edmund Stoiber hat den Begriff „Laptop und Lederhose“ geprägt. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Unsere Werte und Traditionen wollen wir nicht aufgeben – warum auch, es sind ja schließlich die schönsten der Welt.

Was hat sich für Sie am Heimatbegriff in den vergangenen Jahren geändert?

Der Begriff „Heimat“ betrifft heute wesentlich mehr Lebensbereiche als vor vielleicht noch 50 Jahren. Früher standen eher die nostalgischen Aspekte im Vordergrund – das, was auch Thema in klassischen Heimatfilmen ist. Heute geht es neben Traditionen und schönen Landschaften auch um die Weiterentwicklung der Heimat, zum Beispiel die Stärkung der ländlichen Räume, der Internetausbau, kurz: die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Heimat ist ganzheitlicher geworden – und dadurch stark ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Jeder möchte doch, dass die eigene Heimat auch in Zukunft eine verlässliche und bekannte Heimat ist.

 

Fotonachweis: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat (Astrid Schmidhuber)

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