Mobilität und Verkehr kommen Schlüsselrollen zu

Der gegenläufige Trend zur Urbanisierung der Verdichtungsräume und zu Abwanderungen in ländlichen Räumen wird anhalten. Diese Entwicklung beeinflusst unmittelbar alle Bereiche der Infrastruktur und Daseinsvorsorge: Immobilien, Verkehrsinfrastruktur, Breitbandausbau, medizinische Versorgung, Mobilitätskonzepte und vieles andere mehr. Das 16. Bauforum, das am 14. Juni 2016 in Mainz veranstaltet wurde, hat sich deshalb den Problemen und Entwicklungsperspektiven stagnierender, schrumpfender und wachsender Regionen sowie der Zusammenhänge zwischen Stadt und Land gewidmet.

Wenn es immer mehr junge Menschen vom Land in die Städte ziehen, hat dies nicht nur Folgen für die Wohnungsnachfrage, sondern auch für die Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Wo Wohnungen nachgefragt und gebaut werden, müssen auch Schulen und Kindergärten gebaut werden, muss die Verkehrsinfrastruktur verbessert und ausgebaut werden. Und ohne schnelles Internet geht gar nichts.

Vor diesem Hintergrund hatte die Gesellschafterversammlung des Bauforums beschlossen, den Fokus des 16. Bauforums auf Infrastruktur und Daseinsvorsorge zu legen. Das im Auftrag des Bauforums 2014 erstellte empirica-Gutachten zur quantitativen und qualitativen Wohnraumnachfrage in Rheinland-Pfalz bis zum Jahr 2030 hatte zuvor bereits bestätigt, dass der Trend zur Urbanisierung einerseits und zu Abwanderungen aus ländlichen Räumen andererseits, weiter anhalten wird. Das Gutachten war beauftragt worden, um belastbare, regionale und kleinräumige differenzierte Grundlagen für die weitere Gestaltung der Wohnungspolitik in Rheinland-Pfalz zubekommen. Diese Entwicklung am Wohnungsmarkt hat unmittelbar Auswirkungen auf alle Bereiche der Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Die Themenpalette reicht vom Breitbandausbau und der medizinischen Versorgung, bis hin zur Finanzierbarkeit von Infrastruktur-Investitionen. Dem Thema Mobilität und Verkehrsinfrastruktur kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Zunehmend suchen Menschen wieder Wohnraum in großen Zentren und wirtschaftsstarken Ballungsräumen. Dieser Nachfragetrend führt zusammen mit dem Bevölkerungsrückgang in peripheren strukturschwachen ländlichen Räumen mit schlechter Erreichbarkeit zu einem wachsenden Angebotsüberhang und ausbleibenden Investitionen in die Wohnungsbestände. Neue Ansprüche an Wohnungsgrundrisse sowie technische und energetische Standards, veränderte Familienstrukturen und höhere Mobilität führen insgesamt zu einer veränderten Wohnungsnachfrage.

Das Bauen steht in permanentem Anforderungsdruck, sich an die Strömungen der Zeit anzupassen. Gleichzeitig soll zeitgemäßes Bauen dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden. Damit dies gelingen kann, braucht es kontinuierlichen Dialog und Diskurs nicht nur auf der rein baufachlichen Ebene, sondern vielmehr in der Verschränkung von bautechnischer und bauplanerischer Fachexpertise, Forschung und Lehre sowie Politik. Zu diesem Zweck hat das Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz im August 1999 die Gründung des Bauforums als Transferstelle für innovatives Planen, Bauen und Wohnen initiiert. Im Bauforum Rheinland-Pfalz haben sich das Land Rheinland-Pfalz, die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, die Berufskammern und Fachverbände, die kommunalen Spitzenverbände, die Wohnungs- und Versicherungswirtschaft sowie die Hochschulen des Landes zusammengeschlossen.

In Mainz haben sich nun einmal mehr zahlreiche Branchenvertreter, Experten und Politiker getroffen, um wichtige Fragestellungen zu diskutieren. Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin des Landes Rheinland-Pfalz, bereicherte die Veranstaltung mit einem Grußwort. Die erste Hälfte des Programm widmete sich insbesondere der Zukunftsforschung. Dabei standen gesellschaftliche, technische und infrastrukturelle Trends sowie Anforderungen an die Mobilitätsstruktur der Zukunft im Mittelpunkt.

In diesem Zusammenhang spielt die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet eine besonders wichtige Rolle. Ein bundesweit einmaliges Projekt in diesem Bereich setzt derzeit der Landkreis Cochem-Zell unter dem Titel „Breitband für alle“ um. Dieses Vorhaben war unter 100 Mitstreitern im Wettbewerb „Innovationen querfeldein – Ländliche Räume neu gedacht“ zum Bundessieger in der Kategorie „Wirtschaft“ ernannt worden. „Mit dem Breitbandprojekt möchten wir uns zukunftsfähig machen. Daher sind wir dabei, gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Kaisersesch und der Ortsgemeinde Gamlen ein E-Government-Portal für den Bürger zu entwickeln. Dienstleistungen der Verwaltung von zuhause abzurufen und abzuwickeln – das wird die Zukunft in einer Flächenregion wie Cochem-Zell sein. Aber auch das Arbeiten von Zuhause, damit wir Beruf und Familie besser vereinen können, zählt dazu“, betonte Landrat Manfred Schnur, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, bei seinem Vortrag in Mainz. Ziel sei es, innerhalb von zwei Jahren ein Glasfasernetz für alle Gemeinden mit einer Gesamtstrecke von über 340 Kilometer zu verlegen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung widmeten sich die Teilnehmer unter anderem der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Als Vertreterin des Landeskrankenhauses Andernach informierte Gisela Blättel über das Konzept des Gesundheitszentrums Glantal. Dabei handelt es sich um ein Modellprojekt des Landes. Das Konzept der neuen Klinik setzt auf eine bessere Vernetzung der stationären und ambulanten Versorgung. So werden die ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgung eng miteinander verzahnt. Zudem werden in dem Neubau ein ambulantes Arzt- und Facharztzentrum eingerichtet sowie ergänzende Gesundheitsdienstleistungen angeboten. Mit diesen Maßnahmen soll die medizinische Grundversorgung in der ländlichen Region auf hohem Niveau sichergestellt werden.

Fotonachweis: BFW Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

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