Entlastung dank Sickerungseffekt

In der Studie Der Beitrag von Eigenheimen zur Lösung der Wohnungsknappheit in Schwarmstädten hat Dr. Reiner Braun vom Empirica-Institut erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Bezug eines Eigenheims oder einer Wohnung mit zeitlicher Verzögerung über mehrere Stufen auch zu einem Freiwerden preiswerten Wohnraums führt, der dann anderen sozialen Schichten zur Verfügung steht. Beim Neujahrsempfang des BFW Baden-Württemberg hat der Experte die Untersuchung dieses Sickerungseffekts im Detail vorgestellt.

Die wohl entscheidende Frage, die es in diesem Zusammenhang zu beantworten gelte, lautet aus Brauns Sicht, worauf sich die gefühlte und regional auch faktische Wohnungsknappheit tatsächlich zurückführen lasse. „Die Ursache ist ein neues Wanderungsmuster innerhalb Deutschlands, das sogenannte Schwarmverhalten“, stellt Braun fest. Der Begriff soll ausdrücken, dass insbesondere die jüngere Bevölkerung wie Vögel aus den meisten Regionen Deutschlands aufsteigen, als Schwarm in vergleichsweise wenige Schwarmstädte einfallen und dort für knappen Wohnraum sorgen, während sich die anderen Städte und vor allem Landkreise zunehmend entleeren. „Im Gegensatz zu früher verteilt sich die Bevölkerung damit nicht mehr großräumig um, sondern kleinräumlicher – aus Remscheid nach Köln, aus dem Donnersbergkreis nach Mainz, aus der Oberpfalz nach Regensburg und von überallher nach Berlin und München.“

Die demographische Spaltung des Landes werde getragen von den Jüngeren, die noch auf der Suche nach ihrem Lebensmittelpunkt sind. Die „Hauptschwärmer“ seien die Berufsanfänger, die zum einen weiter aus den peripheren ländlichen Räumen abwandern und zum zweiten aus den vielen Hochschulstädten und Kreisen weiter in die Schwarmstädte zögen. „Dieser zweite Schwarm sorgt letztlich für die erhebliche Konzentration der jungen Menschen in nur vergleichsweise wenigen Städten“, so Braun weiter. Dagegen ziehe es sehr viele in der Altersklasse der 60- bis 74-Jährigen in Landkreise an der Nord- und Ostseeküste sowie entlang des Alpenrandes. Hauptverlierer seien die teuren Schwarmstädte, allen voran München, das einen von sechs Einwohnern in dieser Altersklasse verliert.

Als Folge dessen steigen in den Schwarmstädten die Mieten, in den anderen Regionen stagnieren oder fallen sie dagegen. Als grundlegende Lösungsstrategie identifizierte Braun die konsequente Förderung der Wohneigentumsquote, die in Deutschland seit Jahren stagniere und weit unter den Werten in anderen europäischen Staaten liege. „Jede Art von Wohnungsbau – ob im Sozialen Wohnungsbau oder für den freien Markt – bedeutet eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt“, fasst Braun zusammen. Verantwortlich dafür sei eben der besagte Sickerungseffekt: Mieter günstiger Wohnungen ziehen in einen komfortabler ausgestatteten Neubau und machen so Platz für neue Mieter, die auf vergleichsweise preiswerten Wohnraum angewiesen sind.

Fotonachweis: BFW Baden-Württemberg

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